Wintarnaht Interview im Sol Aeternum - Webzine, November 2016.
Die Flut an Bands die sich mit heidnischen Themen beschäftigen, nimmt auch heute immer noch nicht ab. Jeder will den Anderen übertreffen, doch meistens steckt dahinter weiter nichts weiter als heiße Luft. Umso schöner ist es zu wissen, dass es Bands gibt die fernab vom Mainstream ihr Ding durchziehen und durch ihr Wissen und ihre Authentizität überzeugen können. Die deutsche Band Wintarnaht gehört zu jenen. Rede und Antwort bei diesem Interview steht uns der kreative Kopf der Band, Grimwald.
Hallo Grimwald, vielen Dank das du dir Zeit für uns nimmst. Wie geht es dir so?
Zi Hailazzunga! (Sei gegrüßt) Sehr gut, wäre natürlich noch viel besser, wenn es weniger Menschen geben würde auf dieser Welt.
Wintarnaht gibt es ja schon seit 1997. Trotzdem würde ich dich bitten die Band vorzustellen.
1997 habe ich die Band nahe Stuttgart als Winternight gegründet, nachdem sich meine Death Metal Band Mortal (heute Morial) aufgelöst hatte. Wir hatten viele Anlaufschwierigkeiten auf die ich nicht näher eingehen möchte, das wird sonst vielen zu langweilig werden, darüber kann man auf unserer Homepage (Anmerkung: Früher auf wintar.de [gelöscht], nun seit 2026 wieder auf Archaic-Oath Productions) mehr lesen, wenn es einen interessiert. Nach einem Demo und einem Album benannte ich die Band ins althochdeutsche Äquivalent Wintarnaht um. Was der Verwechslungsgefahr (zu gleichnamigen Bands) und der neuen lyrischen Ausrichtung geschuldet war.
Welche Bedeutung hat der Name Wintarnaht für dich?
Zuerst ist es das germanische Fest der Winternacht (nordisch: Vetrnóttablót). Dort wurde der Seelen der Verstorbenen gedacht. Man feierte damals wie heute dieses Fest immer am zweiten Vollmond nach der Herbst Tagundnachtgleiche. Für mich schon immer ein wichtiges Ereignis. Mehrfach wurde dieses allheidnische Fest von der Kirche vereinnahmt und bis heute degeneriert in ihrem kranken Kontext gefeiert (Halloween, Allerheiligen, Totensonntag). Zum anderen hat mich damals das Lied Winternight von Falkenbach inspiriert, welches wir damals als eines der ersten Lieder zusammen gespielt hatten und auch schon offiziell gecovert haben.
Ihr bezeichnet euren Stil ja als Archaic Black Metal. Was kann man sich darunter vorstellen und worüber handeln eure Texte?
Ich war es leid, daß man Wintarnahts Musik als Pagan oder Black Metal bezeichnet. Im Grunde ist es kein Black, da keinem mosaischem Satanismus gehuldigt wird; auch Pagan ist eine zwiespältige Bezeichnung für uns. Pagan, bei dem Begriff sträuben sich bei mir die Haare. Für mich ist das klischeetropfender Sauf-, Schlachten- und Götterhuldigender Kram. Mir fehlt bei dem allem, die Ernsthaftigkeit und die wirkliche Verbundenheit zur Natur, echter Paganismus. Archaisch; weil roh, urkräftig, frei von Theismus und Black Metal ist eben die musikalische Hauptausrichtung. „Archaischer Black Metal“ ist für mich das, was ich, bzw. wir mit Wintarnaht machen.
Wenn man sich eure Texte anschaut fällt als erstes auf, dass sie in keiner modernen Sprache geschrieben sind. Welcher Sprache bedient ihr euch und warum ist so?
Das ist eine Frühform der althochdeutschen Sprache um ca. 650-750 nach der Zeitenwende. Ich war irgendwann einfach gelangweilt immer das zu machen, was andere auch tun. Und da ich mich schon immer mit Geschichte beschäftigte und auch in der AHD Sprache interessiert war, beschloss ich 2012 den radikalen Schnitt zu machen und die Band „umzubenennen“ und fortan alle Texte nur noch in AHD zu verfassen, egal was für ein Aufwand das ist. Mir gefällt der „archaische“ Klang des AHD viel besser als der unserer modernen Sprachen. Zudem lernte ich bis heute viel über alle westgermanischen Sprachen und deren Entwicklung. Ein weiterer Grund ist die Einzigartigkeit, die Wintarnaht damit zuteil wird. Keine andere Metalband schreibt Lyrik in AHD. Was manche schon gemacht hatten, war lediglich überlieferte Texte zu vertonen. Das ist zwar nett, aber würde mir aufgrund des Inhalts und der Einfachheit nicht genügen. Wer mehr über das von Wintarnaht verwendete AHD wissen will, den verweise ich wieder auf unsere Homepage (noch in Arbeit).
Woraus schöpft ihr die Ideen für eure Musik? Gibt es Bands die euch inspirieren oder gar andere Einflüsse?
Die Ideen kommen aus der Geschichte, aus der Natur, aus meiner misanthropischen Grundhaltung und dem täglich erlebten. Ich sehe einen Begriff, eine Tat, ein Ereignis und schon kommen die ersten Ideen für die musikalische Untermalung dazu. Manchmal ist auch ein spontaner Text zuerst da. Das ist immer verschieden.
Kommen wir zum Songwriting. Wie kann man sich das bei euch vorstellen? Hat jeder seine Aufgaben oder wie ist das aufgeteilt?
Das ist im Grunde klar aufgeteilt. Ich schreibe Lieder und Texte und präsentiere es den anderen. Dann wird kurz diskutiert, was man daran noch ändern könnte und wir machen das dann oder es bleibt so wie ich es gemacht habe. Das ist zwar leicht diktatorisch, aber sinnig für Wintarnahts Zwecke. Zudem ich nicht möchte, dass der Stil zu sehr verändert wird, da ich mit Wintarnaht sehr Verbunden bin. Natürlich arbeitet Goatruler sein Schlagzeug am Ende so aus, wie er es besser findet, er ist ja der Drummer. Neuerdings macht das auch ArdathBey mit seinen Basslinien, seit er festes Mitglied ist. Unser Livemusiker VRCHTR, hat auch die Rhythmusgitarre für ein neues Akustiklied auf der kommenden CD beigesteuert.
Was denkst du über die Black-Metal-Szene in Deutschland? Fühlt Ihr euch ihr verbunden?
Zwiespältig… Ich bin in keiner Szene involviert und will es auch nicht sein. Meine Meinungen sind nicht im Gleichklang mit den meisten Metalszenen, also kann ich mich damit nicht wirklich, sondern nur locker verbunden fühlen. Es ist eher eine allgemeine musikalische Zugehörigkeit, so wie man eben lieber unter Metallern zusammen irgendwo Musik zelebriert, wie mit der allgemeinen Masse. Mehr nicht. Soll die Szene machen was sie will, tut sie sowieso.
Trotz dass es euch schon so lange gibt sieht man euch ja recht selten live. Woran liegt das? Seht ihr euch mehr als Studioband?
Das liegt daran, daß wir seit unserem damals letzten und einzigen Auftritt 2001 nur noch zu zweit waren. Da ich eher ein Einsiedler bin und auch ein streitbarer Mensch, war der Wunsch nicht da noch weitere Nervensägen in die Band aufzunehmen. Goatruler und ArdathBey kenne ich schon über 20 Jahre, da läuft das eben und man kennt den Anderen. Erst 2014, nach einen verlockenden Angebot einer tollen Location haben wir erwogen wieder Live zu spielen. Ich hab meinen Frieden damit gemacht vor Sonstwem zu spielen, früher habe ich das gehasst, heute macht mir das sogar meistens Spaß... Und Goatruler hat die Livemusiker dazu organisiert und nun geht es zur Zeit ab und zu mal auf die Bühne. Das wir nicht zu oft spielen hat mit den Grund, dass wir in ganz Deutschland verteilt wohnen. Aber der Hauptgrund ist die miese Abzockerei der Veranstalter und Geiz der Besucher. Fressen vorher für 15€ Fastfood Dreck und meckern dann über 10€ Eintritt… Wenn man nicht einmal Spritgeld bekommt oder gar etwas bezahlen soll um Live zu spielen, dann gibt es von mir ein klares Fuck You! Und wenn man seine Meinung klar ausspricht, dann macht man sich eben nicht beliebt. Drauf geschissen, kann ich da nur sagen. Wir sind keine Huren. Deshalb spielen wir im Grunde fast nur dort, wo wir die Leute kennen oder wo man eben mit Respekt behandelt wird. Auch umsonst, aber eben nur für Leute die wir kennen und wo es passt. Zudem wir auch nicht auf Massenveranstaltungen spielen würden und nicht um Konzerte betteln gehen. Da kommen dann eben nicht mehr wie 2-5 Konzerte im Jahr zusammen.
Gibt es bestimmte Ziele die ihr mit Wintarnaht erreichen wollt?
Einfach nur unsere Musik machen und ab und zu ein paar gute Konzerte spielen. Wenn man sich höhere Ziele steckt (Erfolg und Zaster), dann verkauft man meiner Meinung nach die Seele der Band und von sich selbst und sollte andere Musik machen. Ein Wunschdenken ist, dass ich hoffe dass ein Teil der Wintarnaht Hörer, angeregt wird sich dadurch mit unserer/ihrer Heimat zu beschäftigen, sich mit der Natur mehr auseinanderzusetzen und mit unseren wahren Wurzeln. Noch besser ist, wenn derjenige das vorher schon tut.
Du selber bist ja nicht nur mit Wintarnaht unterwegs. Bei welchen Bands bist du noch aktiv?
Das wären grob: Idhafels, Schattenthron, Morial, Newun, Vicious Sea, Todgeweiht, Wintartod. Nebenbei helfe ich noch ein wenig bei Seelenfrost aus und anderen. Sieht erstmal viel aus, aber wenn manche der Bands eine oder eine halbe Dekade für eine Veröffentlichung benötigt, relativiert sich das ganze wieder.
Wie kam es zu der Kooperation mit Talheim Records?
Ein Freund von uns ist auch dort unter Vertrag und wir wollten eine Veränderung. Also habe ich mich mit Talheim Records kurzgeschlossen und es hat für das Erste gepasst. Mal sehen was es für Früchte tragen wird.
Was kann man in der Zukunft von euch erwarten? Seid ihr an den Arbeiten für ein neues Album, oder plant ihr ein paar Auftritte?
Die Aufnahmen zu unserem neuen Album liegen gerade in den letzten Zügen. Das Layout steht auch schon und die Veröffentlichung ist für den kommenden Winter 2017 geplant. Ich kann ja schon einmal kurz etwas Neues darüber verraten. Das Album wird 10 Lieder beinhalten und mit einer Spielzeit von über 60 Minuten auffahren. Das Layout wird auch etwas ganz besonderes, im Zusammenhang mit der althochdeutschen Sprache. Fest geplante Rituale (Auftritte) werden wir am 07.Januar in Graz (Österreich) und am 11.März in Esslingen (Württemberg) spielen. Bis zum späten Herbst ist dann nichts mehr geplant oder in Aussicht.
Damit sind wir auch schon am Ende angekommen. Ich bedanke mich für deine Zeit! Die letzten Worte gehen an dich…
Ich danke auch und wünsche Dir viel Erfolg mit deinem neuen Zine!