Handgeschriebener Text des Liedes "Þiu Sunnawentî" aus dem Booklet des Wintarnaht Albums "In âgez".
Handwritten lyrics to the song ‘Þiu Sunnawentî’ from the booklet of the Wintarnaht album ‘In âgez’.
Die Ansicht und das Leseerlebnis ist optimiert für den Desktop PC / The display and reading experience are optimised for desktop computers
Über das von Wintarnaht verwendete Althochdeutsch, sowie wissenswertes über diese alte Stufe der deutschen Sprache.
I. Allgemeines zur Althochdeutschen Sprache
Stand 28.12.2025
Als Althochdeutsch (AHD), bezeichnet man die älteste schriftlich bezeugte Form der hochdeutschen Sprache im Zeitraum ca. 750 bis 1050.
Die Bezeichnung „deutsch“ erscheint zum ersten Mal in einem Dokument aus dem Jahre 786 in der mittellateinischen Form „theodiscus”. Die althochdeutsche Form diese Wortes ist erst später belegt. Nämlich in einer Abschrift eines antiken lateinischen Sprachlehrbuches, angefertigt vermutlich im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts, fand sich der Eintrag eines Mönches, der offenbar das lateinische Wort galeola (Geschirr in Helmform) nicht verstanden hatte. Er muss sich bei einem anderen Mönch nach der Bedeutung dieses Wortes erkundigt und die deutsche Bedeutung hinzugefügt haben. Für seine Notiz verwendete er die AHD Frühform „diutisce gellit“; „auf deutsch Schale“. „Þiutisce“, wie bei Wintarnaht verwendet, bzw. geschrieben und ausgesprochen. „Þiutisce“ bedeutet ursprünglich wortwörtlich „Volk, völkisch, vom Volke herstammend“. Somit ist auch klar zu erkennen, warum die nordischen Länder noch heute Deutsch als „Tysk“ bezeichnen. Tysk und Deutsch sind ein und dasselbe, aus einer gemeinsamen Wurzel herstammend. Germany/Germania ist im Grunde von Anfang an eine falsche ind undiffernzierte Fremdbezeichnung, welche angeblich von Julius Cäsar stammt. Sie war niemals eine Bezeichnung, die von den Stämmen selbst kam oder von jenen gar akzeptiert wurde. Alemania ist auch völlig falsch, denn es ist nur eine Bezeichnung für einen einzelnen Stamm; die Alamannen. Daher im Grunde auch völlig unpassend. Hiernach könnte man ganz Deutschland auch Bavaria, Saxonia oder Cheruskia nennen.
Was nun hier in den Texten von Wintarnaht versucht wurde, bzw. wird, ist eine frühere ursprünglichere Form der AHD Sprache zu finden. In welcher noch die germanische Aussprache und Schreibweise weiterzuführen. Welche jedoch nicht komplett mit lateinischen Buchstaben richtig wiedergegeben werden konnte. Heutiges standardisiertes Wörterbuchalthochdeutsch ist nicht in den Texten übernommen worden. Wissenswert hierbei ist natürlich auch, dass die komplette AHD Sprache eine Kunstsprache ist und so gar nicht gesprochen wurde. Die AHD Überlieferung setzt sich aus verschiedenen Teilen der westgermanischen Dialekte, südlich der Benrather Linie zusammen: Alt-Alamannisch, Alt-Bairisch, Alt-Südrheinfränkisch und dem ausgestorbenen Langobardisch. Überlieferungslücken wurden zudem mit anderen germanischen Dialekten aufgefüllt. Auch überlieferte Originaltexte geben kein AHD in der Form der heute normierten Wörterbücher wieder. Das altbekannte Hildebrandslied zum Beispiel, wurde in einer Alt-Bairisch und Alt-Sächsischen Mischsprache verfasst. Alt-Sächsisch gehört nicht zu den Dialekten aus denen sich das AHD entwickelte. Mitunter aus Alt-Sächsisch entwickelte sich das Alt-Niederdeutsche. Also ist de facto das Hildebrandslied nur zum Teil AHD. Aber eine wirkliche Abgrenzung ist so oder so niemals möglich, genauso die exakte Aussprache und Schreibweise. Alles ist vermischt und geht nahtlos ineinander über ohne feste Grenzen. Man sollte hierbei auch bedenken, dass bis zu den ersten deutschlandweiten Rechtschreibregeln im 20. Jahrhunderts oder wie es damals einzelne feudale Systeme festlegten, im Grunde nach Gutdünken geschrieben wurde. Bis dahin hatte es einfach niemand so genau genommen, wie man schrieb. Bis zur Einführung der Standesämter in den 1870er Jahren waren nicht einmal Familiennamen festgelegt. So konnte Mayers Bruder sich Meier schreiben und der Pfarrer schrieb in die Taufurkunde Meyer. Und es handelte sich trotzdem um ein und dieselbe Familie. Und so wurde bis dahin, mit der ganzen Schriftlichkeit verfahren.
II. Aussprache des frühen „Althochdeutsch“ bis 750, wie in den Texten von Wintarnaht verwendet
Stand 28.12.2025
Ich nenne es ein frühes AHD, da es nicht wie üblich im Zeitraum 750-1050 liegt, in den man normalerweise in der Wissenschaft AHD verortet. Da es aber keinen plötzlichen Bruch in einer Sprache gibt und es sich auch nicht um einen westgermanischen, gesprochenen Dialekt handelt, ist es für mich eben eine frühe Form (Proto-AHD) der althochdeutschen Sprache, welche noch viele germanische Anleihen besitzt. Der Grund warum ich diese Form gewählt habe ist einfach. Mir gefallen diese germanischen Anleihen besser, als jenes standardisierte Althochdeutsch, das die heutigen Wörterbücher verwenden. Eine „richtige“ frühere Form, wäre ein „reiner“ westgermanischer Dialekt, wie z.B. Alt-Alamannisch gewesen. Doch ist die Überlieferung dafür gering und für irgendetwas muss man sich ja entscheiden. Da bin ich für Wintarnaht eben bei diesem frühen AHD angekommen. Hier ein paar Erkenntnisse, die ich zusammengetragen habe, welche das Verständnis der Sprache einfacher machen.
| Schreibweise | Aussprache | Beispiel | Informationsherkunft |
| h (Wortanfang) | ch - leicht kratzig gehaucht |
heriunga (Verwüstung) hrad (Rad) |
Germ. (germanisch) |
|
Þ - þ (später d, im englischen zu th) |
Wie in isländisch thing und in englisch think | þaz, þonar, þegan, bruoþer (frühes AHD) – daz (das), Donar (Donner), degan (Krieger), bruoder (Bruder) (späteres AHD) | Germ., frühes AHD |
| st & sp | Wie im heutigen Norddeutschen |
St-râze(Straße) Sp-il (Lied, Spiel) |
|
| sc | sk - Wie skin oder Skandal | scînan (scheinen, glänzen) | Wurde später im MHD zu „sch“ |
| z |
ts oder s Wortanfang Wortmitte z.T. einzeln tz/ts |
Wizzan (ss, wissen), zeihhan (ts, Zeichen) rizan (tz, ritzen) |
MHD (Mittelhochdeutsch) |
| h (Wortmitte) | ch | rihten - wie richten | MHD |
| v | f | vallan - wie fallan |
|
| uu (w) | w | uuodan - wie Wodan (später Wotan) |
|
| ph | f | Aphul (Apfel) | MHD |
| ch | kch leicht kratzig gehaucht | chind - Kind |
Germ.
|
| hh | ch | rihhi - wie richi | AHD |
| qu | qw | wie bei Qual |
|
| c | k |
|
AHD |
| ð | d | mânôð - maanood | AHD |
1. Alle Buchstaben mit einem Längenzeichen, werden lang ausgesprochen, wie z.B. î, ê, â, ô, û also wie ii, ee, etc.
2. Ansonsten werden alle Vokale nur kurz ausgesprochen.
3. Jeder einzelne Buchstaben wird ausgesprochen, ausser bestimmte Kombinationen, wie oben in der Tabelle beschrieben.
4. Diphthonge immer auf den Anfangsbuchstaben / Anfangslaut betonen: -ai-, -au-, -uo-, -ou, -io-, usw. Der zweite Laut wird leicht verschluckt, aber jeder Buchstabe wird trotzdem einzeln betont.
5. Als noch vorhandenen germanischen Einfluss, wird in neueren (Wintarnaht) Texten ei wieder zurück zu ai umgelautet, wie es vor der Lautverschiebung des 8. Jahrhunderts war. So ist das Ganze auch besser zu singen und wird nicht immer wieder ausversehen als heutiges -ei- ausgesprochen.
III. Althochdeutsche Schreibweise - frühes AHD
Stand 31.12.2025
1. Der Buchstabe -W- war in der Anfangsphase des AHD noch nicht vorhanden, da die lateinische Schrift und Sprache keinen germanischen Laut -W- kannte. Dieser wurde mit -UU- wiedergegeben, daher die englische Bezeichnung für -W- double -U-. Also sollte man ganz korrekt -W- immer -UU- schreiben oder ursprünglicher die Rune „wunjo“ benutzen, wie noch in den Merseburger Zaubersprüchen teilweise so niedergeschrieben. Zur besseren Lesbarkeit, bin ich ab 2016 dazu übergegangen, die Wintarnaht Texte nun einfach mit einem heute üblichen -W- zu veröffentlichen. Für die meisten Leute, die sich nicht mit alten Sprachen beschäftigen, ist -UU- zu kompliziert und verwirrt noch mehr.
2. Im AHD wurde alles klein geschrieben, außer Namen oder was man eben für besonders wichtig erachtete.
3. Das stimmlose -D- wurde bis ins 9.- und 10. Jh. in verschiedenen Gebieten noch runisch -þ- (-th-) geschrieben und gesprochen.
4. Das stimmhafte -D- bis ins 9.- und 10. Jahrhundert vermutlich als -ð- ausgeführt (muss nochmal von mir genau nachgeforscht werden…).
5. -SK- wird im frühen AHD immer als -SC- geschrieben.
6. -K- bzw. -C- am Wortanfang wird im älteren AHD -CH- geschrieben.
7. -K- verschwindet sozusagen komplett und wird im AHD immer -C- geschrieben.
8. Satzzeichen gab es keine, ausgenommen einem mittigen Punkt zwischen jedem Wort, wie er in den meisten Runeninschriften verwendet wurde. Das kam aber eher selten vor. Ich nutze den mititgen Punkt als Ersatz für Komma oder Punkt.
9. Die Artikel waren im Germanischen noch nicht vorhanden. Erst später, zur Zeit der westgermanischen Sprachen (6. Jahrhundert bis ca. 750), bildete sich jenes der, die, das, etc. Im AHD häuften sich die verschiedenen Artikel immer mehr, wurde aber noch nicht ständig verwendet. Im schriftlichen Gebrauch wurde der Artikel meist überhaupt nicht genutzt. In den Wintarnaht Texten werden Artikel verwendet wie im heutigen deutsch, da die Texte so flüssiger zu singen und zu verstehen sind...
IV. Kommentar
(Stand 31.12.2025)
Die Forschung über ausgestorbene und vergessene Sprachen oder auch über Teilüberlieferte ist meiner Meinung nach immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Es gibt keine eindeutigen Tatsachen und Wahrheiten. Immer wieder werfen neue Erkenntnisse, alles vorher als sicher betrachtete über den Haufen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie man dies oder jenes genau aussprach oder gar schrieb. Und auch nicht, woher es wirklich zu hundert Prozent herstammte, sowie aus was sich alles zusammensetzt. Es ist hier dasselbe wie in der Archäologie. Man nimmt einzelne Brocken oder Stücke und erfindet (erdenkt) sich, oder stellt sich den Rest dazu einfach vor. Das nennt man dann wissenschaftliche Tatsachen. Diese „Tatsachen“ der Geschichte überleben dann eine unbestimmte Zeit und werden von neuen „Tatsachen“ irgendwann wieder abgelöst. Oder gar von echten Erkenntnissen?! Alles ist eben nur reine Interpretation, Spekulation und niemals die letzte oder einzige Wahrheit bzw. eine Tatsache. Niemand war selbst dabei. Eine wahre Geschichte oder Tatsache kann sich schon innerhalb von ein paar Stunden zu einer Mär entwickeln. Eine jedoch sichere Tatsache ist, dass Menschen dazu neigen alles in ihrem Sinne zu interpretieren und zu verfälschen, auch unbewusst. Der Mensch neigt aber leider auch stark zur Lüge zu seinem eigenen Vorteil. Deshalb können auch Jahrhunderte- oder gar Jahrtausende alte Überlieferungen nicht völlig vertrauenswürdig sein. Alles ist nur ein Anhaltspunkt und dann schließlich Interpretation der jeweiligen Person. Also seht davon ab mich zu nerven und klugzuscheißen, dies oder jenes sei nicht korrekt, das kann es auch nicht sein und soll es hier nicht sein. Ich bin kein Wissenschaftler, es ist reine Passion. Gut gemeinte Verbesserungsvorschläge und Anmerkungen sind aber gerne Willkommen.
Meiner Meinung nach sollte man die heutige deutsche Sprache grundlegend reformieren. Es ist doch unnötig und völlig schwachsinnig aufgrund von Fremder Schrift (lateineische Buchstaben), Fremdwörtern und fehlenden Schriftzeichen noch heute unsere Sprache zu verkomplizieren. Die Buchstaben -K- und -V- könnte man getrost abschaffen. Vase kann man auch sinnig Wase schreiben und den Vogel einfach Fogel, wie es früher gemacht wurde. Wie auch die vielen Formen des -S-. -CK- einfach durch -CC- zu ersetzen. Es reicht doch völlig eine Form davon zu haben. Und warum sollte man nicht schreiben wie man spricht? Mit Biografie anstatt Biographie hat man ja schon einen Anfang gemacht. -PH- ist auch völlig unlogisch, kann immer durch „PF“ und „F“ ersetzt werden. Das würde Kinder Jahre des sinnlosen Lernens von Rechtschreibregeln ersparen. Natürlich sollten man dann auch korrektes Hochdeutsch sprechen können, worin sicher nicht das Problem läge, anstatt massig Rechtschreibregeln. Groß- und Kleinschreibung wie damals reicht im Grunde völlig aus, siehe Englisch. Satzzeichen sind natürlich weiterhin sinnvoll. Und warum Fremdwörter nicht rigoros, sofern sie überhaupt benötigt werden, schriftlich und sprachlich eindeutschen. Wir sind ja keine Franzosen oder Engländer, etc. Früher wurden fränzösische Wörter von der adligen Oberschicht eingeführt, weil sie es schick fanden und heute macht man dies mit Anglizismen weil es „cool“ ist. Meist völlig unnötig. Das mag zwar am Anfang alles komisch aussehen, wenn man so schreibt, doch es wäre viel wichtiger andere Dinge zu lernen...
V. Deutsche Wörter, ihre Herkunft und Bedeutung
(Stand 31.12.2025)
∙Jahreszeiten∙
Frühling - Lenz, germ. Langez, Langat von Verlängerung. Das Wort Frühling selbst, taucht erst im späten Mittelhochdeutsch auf als „Vruelinc“.
Sommer - Sumar, germ. Sumaraz von Asaniz/sem = Ernte.
Herbst - Herbist, germ. Herbistaz von schneiden/Ernte. Das Wort Herbst wurde erst ab dem Frühmittelalter als Jahreszeitenbezeichnung verwendet.
Winter - Wintar, germ. Wentruz von indogermanisch „uedhro“ Witterung, Wetter.
Es wird davon ausgegangen, dass die Germanen in alter Zeit nur zwei Jahreszeiten benannten. Den Sommer und den Winter. Diese wurden vermutlich nach Länge und Kürze des Tageslichtes eingeteilt im Wechsel zu den Tagundnachtgleichen. Der Winter natürlich in den dunklen Monaten und der Sommer in den Lichteren. Jahr stammt von ahd. Jâr, germ. Jeraz, indogermanisch „Ei/H1ei“ von gehen, Gang, Lauf.
∙Monatsnamen∙
Januar - Jârmânôþ (Jahrmonat, erster Monat des neuen Jahres), Wintarmânôþ (Wintermonat).
Februar - Hornung (Hornmonat, Hornabwurf des Rothirsches).
März - Lenzinmânôþ (Frühlingsmonat).
April - Ôstarmânôþ (Ostaramonat, Göttin der aufgehenden Sonne im Osten, ursprüglich die aufgehende Frühlingssonne daselbst).
Mai - Wunnimânôþ (Wonnemonat).
Juni - Brâhhôd, Brâhmânôþ (Brachmonat, von brechen/umpflügen des Brachfeldes).
Juli - Hewimânôþ (Heumonat, Heuerntemonat).
August - Aranmânôþ (Erntemonat).
September - Witumânôþ (Holzmonat), Herbistmânôþ.
Oktober - Winþumemânôþ (Weinlesemonat).
November - Herbistmânôþ, Wintarnmânôþ.
Dezember - Hartimânôþ, Hailagmânôþ, Wintarmânôþ.
Mânôþ, Mânôth, Mânôd bedeutet Monat herstammend von Manô/Mond. Der Mondumlauf passt natürlich nicht, zu dem heute verwendeten christlichen Sonnenkalender, da er 29,5 Tage beträgt. Der Name Monat deutet darauf hin, dass die Germanen einen Mondkalender hatten. Wie dieser funktionierte und aussah ist leider, wie so vieles, durch die Zwangschristianisierung verloren gegangen.
∙Wochentagsnamen∙
Sonntag - Sunnûntag, (Sonne), Sonne.
Montag - Mânitag (Mondtag), Mond.
Dienstag - Ziustag, Êratag (Ehrentag, älterer germ. Name), Mars.
Wodanstag (Mittwoch) - Wodanstag, Mittiwehha (christlicher Einfluss), Merkur.
Donnerstag - þunaristag, Donarstag, Jupiter.
Freitag - Friatag (Erdgöttin Frigg, ger.), Garotag bzw. Pherintag (Rüsttag, germ.), Venus.
Sonnabend (Samstag)- Sunnûnâband, Sambaztag (von Sabbath jüdisch-christlicher Einfluss), Saturn.
Woche stammt von althochdeutsch: wehha/wohha, germanisch: wikô/wikôn, indogermanisch: ueik; winden, wenden, Wechsel.
Die Einteilung der Woche in sieben Tage stammt angeblich von den Babyloniern. Und gründet sich nach den mit bloßem Auge sichtbaren Wandelsternen Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn; die zu diesem Zeitpunkt der Benennung als Götter angesehen wurden. Diese Namen, sowie der Götterglaube wurden von den Griechen und Römern übernommen. Als die Germanen diese Planeten- bzw. Götternamen in den ersten Jahrhunderten nach dem Jahr 0 kennenlernten übernahmen sie diese angeblich. Die Namen der Wochentage sind Lehnübersetzungen aus dem Lateinischen, wobei für die römischen Götter die germanischen Entsprechungen eingesetzt wurden. Die lateinischen Bezeichnungen gehen ihrerseits auf die ursprünglichen babylonischen Götter-, bzw. Planetennamen zurück.
Im Zuge der Zwangschristianisierung wurde ab dem Frühmittelalter versucht, die heidnischen Namen zurückzudrängen, was aber im deutschsprachigen Raum nur beim Mittwoch gelang und bei Samstag teilweise. Also Benutzt lieber das germanische Sonnabend, anstatt das judeo-christliche Samstag. Mittwoch ist ja dahingegen, als angebliche Mitte der Woche noch zu ertragen. Auch wenn Tag 4 als die Mitte von 7 Tagen ziemlich daneben ist.
Wie die Germanen vormals die Wochentage eingeteilt hatten ist leider nicht bekannt. Die Römer hatten zeitweise eine 9-Tagewoche, genannt Nundinum. Es sind auch nur wenige ursprüngliche germanische Namen (siehe oben mit „germ.“ markiert) überliefert. Auch wissenswert ist, dass die Germanen den neuen Tag mit dem Untergang der Sonne begannen, nicht wie heute um 0:00Uhr. Man lebte eben noch mit der Natur, sie gab den Takt an.
Der römische Historiker Tacitus (58-120) über die Germanen: "Man versammelt sich an bestimmten Tagen, bei Neumond oder Vollmond, dies sei, glauben sie, für Unternehmungen der gedeihlichste Anfang. Sie rechnen nicht nach Tagen, wie wir, sondern nach Nächten. So setzen sie Fristen fest, so bestimmen sie die Zeit. Die Nacht geht dem Tage voraus“.
∙Andere interessante Namen∙
Neudeutsch / Althochdeutsch / Germanisch / Bedeutung und Kommentar.
A
Abend / âband, auch naht (Nacht) / êbandaz / der hintere Teil (des Tages), von â= weg-fort und bant= Band, im übertragenen Sinne „Das Ende des Bandes“. „Kveld“ steht im Nordischen für Abend und stammt von ger. „kveldiz“ ab. Dieses „kveldiz“ hat sich im AHD als „kwelî, kwelunga“ in der ursprünglichen Bedeutung erhalten und wurde zum heutigen „Qual“, den es bedeutete ursprünglich eben Qual, Leid, Untergang. Sozusagen hat man im Nordischen die poetischere Version gewählt.
Adel / adal / aþalaz / von edlen abstammend, ursprünglich einfach von Sippe, Geschlecht, Vater, Mutter.
Advent / ana wenti = ana (in, an, auf, nach, über, durch, bei,zu, von, für, gegen), wenti= Wende / ana / von „An der (Wintersonnen-) Wende.
Allod / alôd / alaudam / freier Besitz, Hinterlassenschaft, Erbgut, Freigut.
Arbeit / arbeit / arbaiþiz / Mühsal, Mühe, Last, Anstrengung, Unglück, Not, Drangsal. Arbeit stand und steht also nicht für etwas Gutes. Das Gute erschaffende ist das „Werk“ AHD= werc.
B
Bauer / bûr, acarman / bûwan / bû stammt von gedeihen, wachsen werden, wohnen; Ackermann, Landmann. Ursprünglich ein ehrvoller Name für ein ehrvolles Werk. Erst mit dem Aufkommen der sich selbst überhöhenden Adelsschicht zu einer teilweise negativen Bezeichnung geworden.
Baum / boum / baumaz, bazmaz / von schwellen, wachsen, gedeihen.
Buchstabe / buohstab, runa / bôkastabaz / von Buche und stehen, stellen. Der Name stammt von den germanischen Runenstäben. Diese Stäbe wurden zum Großteil aus Buchenästen hergestellt und in diese Runen geritzt.
D
Deutsch / diutisc / þeudiskaz / von Volk, vom Volke herstammend, völkisch, deutsch, germanisch, volkssprachlich.
E
Erde / erda / erþô / Erde, bebautes und bewohntes Land, Erdboden.
F
Feuer / fiur, loug / fuir, fewur.
Frau / frouwa, wîb / frowon, weibam / Frau, Herrin, vornehme Frau, hohe Frau, Herrscherin; Frau, Mädchen, Weib, Ehefrau.
Frieden / fridu / friþuz / Friede, Schutz, Sicherheit, Eintracht, Harmonie.
G
Germanen / Teutones, diutisc / keine direkte germanische Entsprechung, da der Begriff vermutlich von Cäsar erfunden wurde / von AHD= gêr (Speer) und man (Mensch, Mann), germ: gaizaz und mannaz. Also im übertragenen Sinne „Speermenschen, Speervolk, Speerträger.
Grenze / marka, gimarca / markô / Grenze, Mark, Ende, Land, Gebiet, Bestimmung.
Gruß / hailazunga / hailatjan / grüßen, Lebewohl sagen, verehren.
H
Haus / hûs / hûsam / von bedecken, umhüllen.
Heide / heidan / haiþnaz / Zuerst im Sinne von „Religion der Natur“, wortwörtlich „In der Heide, im Freien“, wurde erst mit aufkommen des Christentums negativ ausgelegt und zu ungläubig, barbarisch, Nichtchrist umgedeutet. Heide selbst stammt von Wald, Wildnis ab.
Heil / heil / hailaz, hailam / heil, gesund, ganz, vollkommen, unversehrt, errettet, erlöst, gesegnet, gegrüßt.
Heimat / heima / haimaz / von liegen, Lager, vertraut, Wohnsitz.
Hund / hunt, rudo (Hund, Rüde) / hundaz, rudjan / Rüde.
K
Katze / chazza / katta / weitere Herkunft unklar.
Krieg / strît, wîg, chrêg / streidaz, wigam, kreigaz / Streit, Kampf, Zwietracht, Zank; Krieg, kämpfen, Schlacht; Krieg von ursprünglich Anstrengung, Widerstand, Anfechtung.
L
Luft / luft, wetar / luftam, wedram / von Dach, Luft, Wetter, wehen, blasen, hauchen.
M
Mann / baro / baraz / Mann, Freier.
Mensch / man / mannaz / Das Wort Mann stammt zwar hiervon ab, doch war es so dass man in germanischen Zeiten damit nicht explizit den Mann bezeichnete, man meinte damit einfach Menschen, Leute im Allgemeinen. Für Mann und Frau gab es extra Worte. Ich vermute, dass das Christentum den Begriff als feste Bezeichnung für Männer einführte, da Frauen in dessen Augen ja keine vollwertigen Menschen sind und sich dem Manne unterzuordnen haben.
Mittag / mittiltag / medjaz und dagaz / Mitte des Tages.
Morgen / morgan / murganaz / herstammend von „flimmern, funkeln“.
Mutter / muoter / môder / von Mutterschoß, Urheberin, Anstifterin, Gebärmutter, Bachbett.
O
Ostern / ôstara, ôstarûn / austrôn / Osterfest, Fest der in Osten aufgehenden Sonne, deshalb Fest der Göttin Ostara, welche die aufgehende Frühlingssonne darstellt.
P
Pferd, Mähre / hros, marah / hrussam, marhaz (ungeschultes oder altes Pferd) / Pferd stammt angeblich von „laufen“ her. „ehwaz“ ist ein anderes germanisches Wort für Pferd und eine Rune, es ist nicht nachgewiesen ob es im AHD noch den Begriff „ehu“ für Pferd gab.
R
Regen / regan / reganaz / von feucht, wässern.
Rune / runa / rûnô / von raunen, Geheimnis, flüstern, brüllen, brummen.
S
Sonne / sunna / sunnan, sunnôn.
Stern / sterna / sternôn / von streuen, ausbreiten.
Sturm / storm / sturmaz / von Lärm, Unruhe.
Sohn / sunu / sunuz / von Geburt, gebähren, Sohn.
T
Teufel / tiufal / diabulaz / böser Geist, Dämon, Riese, von verleumden, entzweien. Vormals keine Bezeichnung für den Satan da es keinen gab, die Germanen kannten keinen lediglich bösen „Gott“, die strikte gut/böse Einteilung, diese kam erst durch das Christentum auf.
Tochter / tohter / duhter / Grundbedeutung unbekannt.
V
Vater / fater / fader / von füttern, nähren, weiden, auch Erzeuger.
Volk / folc / fulkam / von Leute, Schar, gießen, fließen, schütten, füllen.
W
Wald, Forst, Holz / wald, forst, holz / walþuz, forhistra, hultam / von Wald, Wildnis, Wüste, Einöde; Hain, Holz, Gehölz; ursprünglich von indogerm. „perkhus“ - Stärke, Kraft, Leben.
Wasser / wazzar, aha / watar, ahwjo / von benetzen, befeuchten, fließen; Ache, Fluss, Wasser, Flut, Strom, Bach, Strömung.
Weihnachten / wîhinahten / weihîn und nahtiz/ Weihenächte, den 12 geweihten und heiligen Nächten nach der Wintersonnenwende, herstammend von weihen, heilig und Nacht. Jul hingegen ist nur eine nordische Bezeichnung des Festes, in Zentraleuropa von den Germanen nicht verwendet.
Witwe / wituwa / widuwôn / von auseinander, entzwei.
Z
Zeit, Stunde / zît, stunta / tidiz, stuntô / Zeit, Zeitalter, Zeitspanne, Stunde / Stunde, Zeitabschnitt, Zeitpunkt.
Grimwald Wintar
Wintarmânôþ anno MMXXV a.y.p.s.
PS: Wenn ihr Fragen dazu habt oder ich die Liste erweitern soll, dann könnt ihr gerne per E-Mail schreiben.