WINTARNAHT Interview im Legacy (The voice from the dark side) No. 132 im März 2021.
Ungekürzte Version! Wurde so nicht abgedruckt.
· Hallo und herzlichen Dank, dass Du dir Zeit nimmst die Fragen zu beantworten. Und natürlich erst einmal Glückwunsch zu Deinem Album! Kannst Du vielleicht gleich etwas zu dem Release vorweg erzählen?
Danke. Das Wintarnaht Release "Hriuwa" war mir ein besonderes Anliegen, da es das erste Album ist, das ich komplett allein geschrieben und eingespielt habe. Darum ist es für mich, dass bisher kompromissloseste Werk Wintarnahts. Zudem ist "Hriuwa" auch etwas besonderes, da es auch auf Vinyl, in verschiedenen Versionen erschienen ist. Die erste Wintarnaht auf Vinyl...
· In Deiner Bio steht, dass alle Texte in Althochdeutsch verfasst werden. Weshalb?
Damals 2011/12 wollte ich Wintarnaht ein wenig mehr Einzigartigkeit verleihen und da ich schon länger mit dem Gedanken gespielt hatte althochdeutsche Texte zu verfassen, habe ich es endlich in die Tat umgesetzt. Zu dieser Zeit wurde dann auch der ursprüngliche englische Name Winternight ins althochdeutsche Wintarnaht geändert. Mir gefiel diese alte Sprachstufe des Deutschen schon immer sehr viel besser, als unser heutiges Deutsch. Ich habe dabei noch ein paar ältere Einflüsse aus den germanischen Dialekten hinzugefügt, um es noch archaischer und einzigartiger wirken zu lassen. Zudem mir keine andere Metalband bekannt ist, die eigene Texte in Althochdeutsch verfasst. Alle bisherigen Vertonungen waren einfach überlieferte Zeilen.
· Unter anderem ist die Natur ein großer Einfluss in Deiner Musik. Was bedeutet Natur für Dich?
Im Grunde bedeutet die Natur alles für mich. Ohne diese gäbe es ja auch nichts. Für mich sind schöne Landschaften, die man durchwandern kann viel interessanter als menschengemachte Stätten und Dinge. Zudem bin ich eben auch ein naturreligiöser Mensch. Jedoch sind für mich die ursprünglicheren Bezüge wichtiger. Schamanismus und archaische Bräuche, weit vor dem Glauben an irgendwelche personifizierten Götter.
· Seit 2017 ist Wintarnaht ein Solo Projekt. Wie ist diese Umstellung für Dich?
Nicht allzu groß. Da Wintarnaht nur früher in den Neunzigern eine wirkliche Band war und seit dem neuen Jahrtausend nur aus mir und meinen Ex-Drummer bestand, hat sich nicht viel geändert. Ich habe schon immer die Musik, wie auch die Texte geschrieben und jetzt mache ich eben noch das Drum, bzw, programmiere es. Live bestand die Band bis 2017 auch nur aus Sessionmusikern, da kommt es auf den Drummer nicht an. Im Gegenteil, läuft jetzt alles flüssiger als zuvor.
· Was brachte Dich zum Pagan Black Metal?
Das war eine, vermute ich übliche Reise vom Rock, zum Heavy, zu Death- und Black Metal und eben Pagan. Ich denke ich blieb dann einfach wegen Bands wie Helheim, Isengard, Ulver, Falkenbach und Bathory (usw.) auf dem Pagan Black Metal hängen. Und da dieser satanistische Hokuspokus Kindergarten im Black Metal noch nie mein Ding war und ich cleanen Gesang nie "weichlich" fand, ist der Pagan für mich wie geschaffen.
· Das Layout von „Hriuwa“ wurde von Dir gestaltet. Möchtest Du näher erzählen, woher Du die Inspiration genommen hast?
"Hriuwa" bedeutet ja übersetzt Trauer und diese war die Inspiration für das ganze Layout. Auch wenn nur der Titelsong rein dieser Thematik gewidmet ist. Einen Hang zur Melancholie, haben bei mir so oder so meist alle Lieder die ich schreibe. Das Lied "Hriuwa" ist hierbei auch einem speziellen Individuum gewidmet. Da ich in den vorigen Veröffentlichungen eher auf Zeichnungen gesetzt hatte, war es an der Zeit mal wieder mit Fotografien zu arbeiten. Ich finde es im Allgemeinen auch passender und persönlicher, wenn Bandmitglieder die Layouts entwerfen. Einfach ohne eine bestimmte Idee einen fremdem Grafiker da heran zu lassen, ist für mich nicht im Sinne eines Gesamtwerkes.
· Das Album ist, wie bereits erwähnt, in Althochdeutsch gehalten. Wie läuft das ab? Also sprichst du Althochdeutsch oder wird das Textstück übersetzt?
Das läuft manchmal ziemlich durcheinander ab. Kreatives Chaos sozusagen. Um Grunde schreibe ich meine Texte in normalem Deutsch, aber wenn mir bestimmte Sätze schon direkt in Althochdeutsch in den Sinn kommen, schreibe ich sie sofort so auf. Das vermeintliche Chaos wird danach in der Endfassung natürlich getrennt, da ich früher ja auch die neudeutsche Übersetzung mit abgedruckt hatte. Zudem ich oft recherchieren muss, welche Wortform die Älteste ist. Ich könnte jetzt nicht fließend Althochdeutsch sprechen, aber grundsätzliche Unterhaltungen wären kein Problem. Da fehlt einem heutzutage schon die Praxis. Leider hat man ja nicht allzu oft (nie...) Gesprächspartner, mit denen man sich in Althochdeutsch unterhalten könnte.
· Der Song „þaz tuncel Grabahûfo“ wird instrumental gehalten. Kannst du mehr dazu erzählen?
"Das dunkle Hügelgrab" ist auch irgendwie ein Teil der Trauerthematik. Das Lied sollte nur durch die Musik, eine bedrückende dunkle Stimmung des Todes und des Moders in einem Hügelgrab wiedergeben, so wie ich sie mir eben vorstelle. Instrumentale Lieder haben sich bei mir auch im Laufe der Jahre eingebürgert, so dass ich auf jeder Veröffentlichung mindestens ein Instrumental einbaue. Als Inspiration kommen da auf jeden Fall wieder Isengard oder auch Burzum ins Spiel.
· Ebenso unterscheidet sich „Runagaltar“ vom restlichen Album. Gibt es eine Geschichte dazu?
Dazu gibt es in der Tat ein Geschichte. Das Lied war nicht geplant für das Album und enstand im Grunde spontan. Mein altes neunziger Jahre Keyboard ist leider nach der Hälfte der Aufnahmen wortwörtlich abgeraucht. Daher musste leider ein Neues her. Die bisherigen Aufnahmen musste ich damit leider verwerfen und noch mal neu einspielen, um einen homogenen Sound zu erhalten. Neues Spielzeug muss dann natürlich erkundet werden und so entstand dann "Runagaltar". Da ich dem Dungeon nicht ganz abgeneigt bin, kam der Song dann als Abschluss mit auf die Scheibe.
· Vier Lieder wurden in der Zeit von 2013-2017 geschrieben, der Rest kurz vor dem Release. Gibt es einen Unterschied zwischen den Älteren und Neueren Songs in ihrer Bedeutung für Dich?
Im Grunde hat jeder Song seine eigene Bedeutung und steht für sich selbst, da ich mit Wintarnaht noch nie ein Konzeptalbum gemacht habe. Trotzdem haben die älteren Lieder tatsächlich eine Besonderheit. Sie hatten es nie auf ein früheres Release geschafft, weil sie meinem ehemaligen Mitmusiker nicht gefallen haben. Jetzt sind sie da wo sie hingehören und ich finde sie ergeben auch trotz ihres Alters eine gute Einheit mir den neueren Songs.
· „Hriuwa“ ist der Titel Track des Albums. Weshalb hast du Dich für „Trauer“ entschieden?
Ich denke diese Frage, ist oben schon beantwortet worden. Was ich aber noch dazu sagen kann, ist dass ich immer den speziellen Titel für jedes Album suche. Er muss in meinen Ohren gut klingen, darf höchstes 1-3 Wörter haben und ein Titel den es nach Möglichkeit noch nicht gegeben hat. Was hier mit Althochdeutsch ja auch einfach ist.
· Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Gesundheit und Ruhe vor dem Großteil dieser "wunderbaren" Menschheit. Ich fände es auch wünschenswert, wenn sich der Black und Pagan Metal wieder weiter in den Underground zurückziehen würde und nicht mehr Spielwiese für Jedermann wäre.
· Gibt es MusikerInnen, mit denen Du gerne zusammenarbeiten würdest?
Nein. Der Reiz wäre zugegebener Maßen bei dem Ein oder Anderen schon da. Aber mir ist es lieber, die meisten Leute nicht näher kennenzulernen. Denn damit zerstört man sich oft die liebgewordene Vorstellung über bestimmte Musiker und ihrer Werke. Ich möchte doch lieber weiter die Musik so geniesen, wie ich es bisher getan habe. Das lehrt mich einfach meine bisherige Erfahrung.
· Welche Erfahrungen mit anderen Bands gab es, die für Dich bedeutsam waren?
Nichts bleibt wie es ist und war...
· Auf was freust Du Dich am meisten, wenn der Lockdown bzw. die Pandemie vorbei ist?
Ach da gibt es einiges. Ich freue mich darauf, wenn ich mit meiner anderen Band Isgalder wieder auf der Bühne und vor Leuten spielen kann. Es ist schon nicht gerade erbauend, wenn man trotzdem alle Lieder übt und dann höchstens so ein klägliches Onlinekonzert spielen kann. Das ist einfach wider der Musik ohne reales Publikum in einem toten, stillen Saal. Oder darauf endlich wieder überall hinzugehen, wie und wann man will. Fremde Landschaften erkunden... Für mich ist die jetzige Situation, mit all den sinnfreien Einschränkungen und der herrschenden Unfähigkeit nicht mehr tragbar. Man muss mit dem Virus leben und eben auch sterben.
· Gibt es noch etwas, dass Du sagen möchtest?
Lasst euch nichts vorschreiben und lebt nur nach eurem Willen und Gewissen. Besten Dank für das Interview. Saliþa!
Grimwald
Vielen lieben Dank im Voraus und alles Gute Dir weiterhin!
Liebe Grüße,
Katharina