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Archaic-Oath Productions

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The Temple of Satanic Warlord Zine (Heft 7) befragt Wintarnaht (Grimwald) im März 2023 .


Das Projekt Wintarnaht ist mir namentlich schon lange bekannt. Leider habe ich mich erst in den letzten Monaten intensiver mit der Musik von Wintarnaht beschäftigt und mich durch die Veröffentlichungen gehört. Ich hätte es schon eher tun sollen!!! Der archaische Black Metal von Winternaht ist sehr abwechslungsreich und zum grossen Teil eingängig. Variabler Gesang, von Kreischen bis Klargesang, ist alles vertreten. Auf mich wirkt alles sehr durchdacht und stimmig! Hier ist ein Überzeugungstäter am Werk der nichts dem Zufall überlässt. Eine Ehre für mich Grimwald mit seinem Projekt Wintarnaht im Heft zu haben!

Grimwald, ich grüsse Dich und bedanke mich für die Bereitschaft zum Interview! Ich denke, viele BM - Interessierte sollte es nicht geben, die noch nie etwas von Wintarnaht gehört haben!? Trotzdem wollen wir hier bei den Anfängen von Wintarnaht einsteigen. Wann wurde Wintarnaht gegründet? Wer waren die Gründungsmitglieder?

Grüße dich! Ich danke ebenso für das Interesse. Gegründet habe ich Wintarnaht unter dem Namen Winternight 1997, nachdem mein voriges Death Metal Projekt Morial aufgelöst wurde. Ich hatte damals auch das Interesse an dieser Spielart des Metal verloren. Zuerst habe ich mich 97 mit meinem damaligen Rhythmus Gitarristen Muzgash zusammengetan und die ersten Lieder entstanden. 98 fanden wir in Goatruler einen Drummer und Basser Thule kam auch in diesem Jahr dazu. Gerade habe ich ein gammliges Rehearsal aus dieser Anfangszeit auf der Kassettenversion des neuen Albums Anþjaz veröffentlicht, welches ich durch Zufall wieder entdeckt hatte. Leider haben wir als Band damals nicht viel zustande gebracht. Bis 2001 spielten wir gerade ein Konzert und zerstritten uns danach. 3 Jahre herrschte Funkstille. 2004 tat ich mich wieder mit dem Herrn Drummer zusammen und wir begannen, die alten Lieder aufzuarbeiten und schlußendlich als Demo aufzunehmen.


2011 habe ich die Band dann ins althochdeutsche Wintarnaht umbenannt, weil es mitunter zu viele Winternights gab. Und ich die Band damals auf Texte in der althochdeutsche Sprache ausgelegt habe. Von 2014 bis 2017 spielten wir dann mit diversen Gastmusikern auch wieder Live. Aber nach Unstimmigkeiten mit Goatruler, habe ich ihn schlußendlich rausgeworfen und diese Livephase somit abgeschlossen. Seither mache ich Wintarnaht einfach alleine. Das hat auch viele Vorteile…

Bitte gib uns doch einen Einblick in die Diskografie von Wintarnaht. Was ist bisher an Veröffentlichungen erschienen? Bei welchem Label und in welchem Format?


2007: Rache… (Demo, CDr [94 stk.] & Kassette, Eigenvertrieb) Kassette als Split mit Trollzorn, ca. 250 Exemplare.
2010: Pestilenz (Album, CD, Obscure Abhorrence Productions)
2013: Tôdhên Uoþal (Album, CD, Obscure Abhorrence Productions)
2015: þiu Sunnawenti (EP, Eigenvertrieb)
2016: Germinôd – Archaische Verse (Kompilation, Kassette, Narbentage Produktionen; Re-Release 2019: CD, über Archaic-Oath)
2017: In Âgez (Album, CD, Talheim Records)
2019: Unterweltsmysterien (Split-EP mit Varulv, CD, Talheim Records)
2020: Hriuwa (Album, CD, LP, Talheim Records)
2023: Anþjaz (Album, CD & Kassette, CD Schierling Klangkunst / Archaic-Oath [eigenes Label], Kassette über Archaic-Oath)


Was ein klares Alleinstellungsmerkmal von Wintarnaht darstellt, ist das Benutzen der althochdeutschen Sprache in den Texten. Wie und wann kam es zu dieser Entscheidung? Aus welchen Quellen beziehst Du die Informationen über die Rechtschreibung und Grammatik des Althochdeutsch?


Ich habe mich schon seit meiner Jugend, bzw. Kindheit viel mit Geschichte beschäftigt. Zuerst eben durch die Musik mit der Wikingerzeit. Da ich kein Skandinavier bin, habe ich meinen Fokus auf die Germanen und unserer Gebiet, unsere Heimat gelegt. Irgendwann beschäftigt man sich da auch mit der Sprache oder den älteren Sprachestufen. Und da blieb mein Interesse am Althochdeutschen (AHD) hängen. Zuerst habe ich nur ein kleines AHD Lied auf dem Pestilenz Album gemacht, genannt Siohhi (Siechtum).  Kurze Zeit später, habe ich mich dazu entschieden völlig darauf einzugehen, so dass ich sogar den Bandnamen Winternight entsprechend geändert habe. Englisch ist eben auch nicht meine Muttersprache und mir immer irgendwie fremd geblieben. Sofern kam alles zusammen, was zusammen gehört.
Die Quellen waren so zahlreich, dass ich das gar nicht mehr alles wüsste. Wenn man sich das Ganze autodidaktisch beibringt, muss man viel lesen und viele Quellen zusammenstottern. G. Köblers Wörterbücher des AHD und Germanischen sind dabei aber essentielle Hilfen. Die Grammatik ist relativ schwierig, denn es gab damals noch keine wirklichen Regeln und die heute festgelegten Regeln (Normierungen) oder angebliche Erkenntnisse sind nur von relativ wenig Material ergründet worden. Nichts war damals wirklich festgeschrieben und die wenigen Schreiber, machten das nach ihrem Gutdünken. Ich benutze auch keine reines AHD. Ich mische auch einiges an westgermanischen Dialekten hinein, weil ich eine ältere Form des AHD haben möchte. Einfach weil es mir so besser gefällt, mit teilgermanischen Wörtern und schreibweisen. Für dogmatische Wissenschafler sicher ein Graus.

 

Da nicht viele der althochdeutschen Sprache mächtig sind, die Frage nach den Inhalten der Texte. Ich bin überzeugt, zumindest macht es zu 100% auf mich den Eindruck, dass Du dich mit den Themen Paganismus, Schamanismus sowie dem Leben und der Kultur unserer Ahnen eindringlich Beschäftigt hast!?


Ja, da liegst du richtig. Tatsächlich drehen sich die meisten Texte Wintarnahts um das Heidentum,  geschichtliche Stätten, Riten und eigene Erfahrungen in diesem Bereich oder um die Erhabenheit der Natur. Was den heidnischen Glauben in den Texten angeht, beschäftige ich mich, wie auf Anþjaz nun hauptsächlich mit den Vorstellungen des Mesolithikums und früher.


Jedoch gibt es auch rein misanthropische Texte, über meine Abneigung gegen die widerliche, entartete Menschheit. Und gegen diesen mosaischen Abfall, diesen monotheistische Wüstendreck. Oder auch einfach über Gefühle, wie Einsamkeit, Verzweiflung, über Dunkelheit und Licht...


Von den Texten zur Musik. Parallelen kann ich, zumindest Teilweise, mit Falkenbach erkennen!? Wobei der Black Metal Anteil bei Winternaht für meine Gehörgänge grösser ist. War Falkenbach eine Inspiration/Einfluss für Wintarnaht? Gab es noch andere Bands die prägend für Dich waren?


Ja, die ersten Demos und ...en their medh riki fara... sind eine große Inspiration gewesen. Falkenbachs Lied Winternight war sogar Namenspate für den Bandnamen. Aber auch das germanische Fest der Winternacht. Meine musikalische Inspiration ist auch bei Helheim, Burzum, Bathory, Darkthrone und Isengard zu finden. Auch sowas wie Celtic Frost, Sodom, Metallica, Helloween und etliche andere Kapellen. Ich habe ja schließlich nicht, wie die Black Metal Kinder heutezutage, gleich total „trve“ mit Black Metal angefangen. Ich habe zuerst Rock, Power- Thrash- und Death Metal gehört. Bis ich eben den Black und Pagan Metal entdeckt habe, was mich bis heute gefangen hält.


Bist Du allein für Texte und Musik verantwortlich, bei Wintarnaht? Spielst Du auch alle Instrumente selbst ein?


Für die Texte war ich schon immer verantwortlich, zumindest seit ich 1998 den Gesang übernahm. Zuerst war ich nur Gitarrist, aber wir fanden keinen fähigen Sänger. So kam das… Fremde Zeilen zu singen, hinter denen ich nicht zu 100% stehe, ist nicht mein Ding. Ich habe auch musikalisch, bis auf zwei Lieder, jedes Wintarnaht Lied geschrieben. Natürlich, als wir früher noch eine Band waren, haben die anderen schon ihre Einflüsse mit eingebracht. Aber das waren meist nur Details. Im Grunde habe ich schon immer alles in der Hand gehabt und allein eingespielt, ausgenommen die Drums. Jedoch seit 2017 mache ich nun wirklich alles im Alleingang und das ist auch eine Freude. Ohne lausige Kompromisse und Genörgel zu werken, hat massive Vorteile.


Die optische Gestaltung der Tonträger finde ich überdurchschnittlich gut und stimmig! Wer trägt dafür Verantwortung? 


Das hört Mann doch gerne. Die gesamten Layouts für Tonträger und Merch sind bisher auch immer auf meinem Mist gewachsen. Klar, waren die ersten Veröffentlichungen keine gestalterischen Meisterwerke, aber jeder fängt mal klein an hehe. Ich denke mittlerweile ist es ganz passabel.


Das Anþjaz Album ist in der CD - Version bei Schierling Klangkunst erschienen. Sind auch zukünftige Veröffentlichungen auf diesem Label geplant oder möchtest Du dich nicht an ein Label binden?


Anþjaz ist ein Gemeinschaftswerk zwischen Schierling Klangkunst und meinem „Label“ Archaic-Oath [Productions]. Ob wir zu kommenden Scheiben weiter zusammenarbeiten, wird die Zeit zeigen. Aber da bin ich auch nicht vertraglich gebunden, das basiert auf rein freundschaftlicher Basis. Einen wirklichen Vertrag, wie z. B. vormals bei Talheim Records, werde ich wohl eher nicht mehr unterschreiben. Die Verpflichtungen gleichen sich nicht mit dem Ertag aus und man bindet sich da eher einen Klotz ans Bein, den man schwer wieder los wird. Ich werde zukünftig wohl alles was geht selbst über Archaic-Oath machen, also in Eigenregie.


Wie ist Deine Meinung zur aktuellen Black Metal Szene (soweit man davon sprechen kann) in Deutschland sowie auch international? War früher alles besser?


Ich scheiße eine fetten hässlichen Haufen auf diese heutige Szene. Sie ist doch zu 99% voller Wichtigtuer, Egomanen und clickgeiler Internethelden. Den meisten geht es nicht um Musik, nicht um Passion, weder um Zusammenhalt oder Gemeinschaft, sondern nur um Selbstdarstellung zu jedem Preis. So gut wie keiner dieser Leute lebt, was sie versuchen darzustellen. Und ich rede hier nicht nur szenemäßig vom Schwarzmetallanteil, auch gerade der Pagankindergarten voller Gutmenschen oder eben dieser gesamte Metalzirkus. Es war einst Rebellion, Hass, Widerstand gegen die Verblödung der Menschheit, Abgrenzung von der Masse. Heute sind es fast nur noch Schafe in Metalmassenhaltung, geimpfte Maskenträger und Kriecher die sich überall integrieren um bloß nicht anzuecken. Würmer! Ich war aber noch nie ein  Szenegänger und will das auch nicht. Ich habe es seit jeher eher von außen betrachtet und es nie für Wert befunden mich zugehörig zu fühlen. Da bin ich durch und durch Misanthrop und einsamer Wolf. Darum trifft man mich auch nicht oft auf Konzerten und ich spiele auch nicht gerne live. Ich bin lieber alleine, mit wirkichen Freunden am Lagerfeuer oder irgendwo im Wald unterwegs. So wie es im Black oder Pagan sein sollte. Das ganze ewige Zusammengeraufe und Ringelpietz, ist doch auch nur philantrophische Scheiße und widerspricht zumindest dem Black Metal Gedanken massiv. Eine Misantroph der gerne in der Masse badet… Der ist eben keiner.


Wie bekannt sein sollte, bist Du ein sehr umtriebiger Musiker! In welchen Bands und Projekten bist Du noch aktiv?


Derzeit bin ich noch bei Dauþuz aktiv. Wo ich für Texte, Konzept, Gesänge, Keys und akustische Gitarren zuständig bin. Melodischer Schwarzmetall, der sich nur der finsteren Bergbauthematik widmet. Und natürlich Isgalder an Gitarre und Gesang. Da wird dem puren Pagan Metal gefrönt.


Eine Frage die ich immer gerne stelle: Was sind Deine 5 Lieblingsalben aller Zeiten?


Eine üble Frage… Fällt mir äußerst schwer, so wenige Alben zu benennen: 
Burzum - Hvis Lyset Tar Oss
Emperor - In the Nightside Eclipse
Helheim - Jormundgand
Isengard - Høstmørke
Bathory - Blood on Ice
Sehr nordisch beeinflusst, aber das war und ist eben mein Ding.

 

Welche Bands oder welches Album konnten Dich in jüngster Vergangenheit begeistern?


Es kommen zwar immer noch gute Alben raus, aber solche Releases wie früher, so konnte mich eigentlich nichts mehr begeistern. Ich schwelge meist in meiner 90er Jahre Abteilung meiner Sammlung. Die Klassiker sind geschrieben. Das ist eben mein persönliches Empfinden, das kennt sicher der ein oder andere auch. Natürlich kaufe ich mir trotzdem auch ab und zu etwas Neues und es kommen auch geniale Alben heraus. Was mir neulich über den Weg lief und mir sehr gefällt ist White Rune, um wenigstens eines zu nennen.


Kommen wir zum Ende zu der Frage nach den Zukunftsplänen, mit Wintarnaht!? Das Anþjaz – Album ist ja noch relativ frisch. Wird trotzdem schon an neuem Material bzw. einer neuen Veröffentlichung gearbeitet? Wie ist es an der Live–Front, mit Wintarnaht bestellt? Wird es in Zukunft Konzerte geben?


Diverse Ideen sind schon vorhanden. Wenn ich mich entschieden habe, welche ich davon als erstes aufgreifen werde, dann nehme ich meine Gitarre zur Hand und es geht weiter. Zunächst werke ich aber wohl an ein paar Kassetten Veröffentlichungen meiner Bands und dann weiter an der neuen Dauþuz Veröffentlichung.
Man soll ja niemals nie sagen… Aber so richtig Lust Wintarnaht wieder auf eine Bühne zu bringen habe ich nicht. Da ist auch sehr wenig, bis gar kein Interesse von Veranstaltern vorhanden. Wie ich schon erklärte, ist das ja auch nicht so meine Welt. Zu viele Menschen. Zudem ich ja mit Isgalder live unterwegs bin, beziehungsweise war.


Grimwald, ich bedanke mich für Deine investierte Zeit und wünsche Dir nur das Beste in Zukunft mit Wintarnaht und allen Deinen Vorhaben!


Es war mir ein Freunde, den Wissensdurst über Wintarnaht ein wenig zu stillen. Ich wünsche auch weiterhin gute Gelingen mit der Zeitschrift. Saliþa!

 

Satanic Warlord, im Jahre des Bastards, des Krieges und der seuche 03/23

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