⚒ Dauþuz Interview im Oktober 2017 im Waldhalla Zine ⚒
Als die Black-Metal-Band Wintarnaht unser erstes (und bis jetzt einziges) Waldhalla-Konzert mit ihrer Anwesenheit bereicherte, steckte uns deren Frontmann zu späterer Stunde noch das erste Dauþuz-Album zu, das zu dieser Zeit grad frisch veröffentlicht wurde. Von Beginn an war eine gewisse Sympathie füreinander vorhanden, und natürlich haben wir „In finstrer Teufe“ auch entsprechend auf unserer Plattform vorgestellt. Nun steht bereits das zweite Album „Die Grubenmähre“ in den verrußten Startlöchern, und wir haben die Chance genutzt, um den beiden Bergmännern Syderyth G. und Aragonyth S. einige Infos zu ihrem verheißungsvollen Projekt zu entlocken!
Syderyth! Aragonyth! Seid uns herzlichst gegrüßt! Ich hoffe, Ihr seid heute gut gelaunt, um uns einige Fragen zu Eurem vielversprechenden, erst letztes Jahr gegründeten Black-Metal-Projekt Dauþuz zu beantworten. Wer Euch kennt, der weiß, dass Ihr nicht nur in einem sondern gleich in mehreren Projekten Eure Finger im Spiel habt bzw. hattet. Was zu Hölle treibt Euch fortwährend an, immer wieder neue Wege für Eure musikalischen Ideen zu beschreiten? Ist es eine Art Unrast, die stets aus Euch herausbrechen möchte?
Glück auf!
Aragonyth: Unrast oder natürlicher Drang beschreiben dies schon sehr gut. Ich weiß auch nicht genau, wie man es sonst beschreiben sollte – warum es mich immer wieder an meine Gitarre zieht – irgendwas muss raus. Und sei es nur der Drang, genau die Musik zu erschaffen (oder es zumindest zu versuchen), die man selbst am liebsten hören würde. Ich persönlich gehöre z. B. auch nicht zu der Sorte Musiker, die ihre eigenen Alben nach der Fertigstellung nicht mehr hören (können). Im Laufe des Jahres 2016, wo ich mit anderen Projekten immer wieder ausgebremst wurde, stauten sich immer mehr Ideen, die eh zu keiner anderen Band gepasst haben, bei mir an, und so dachte ich mir, dass ich etwas komplett Neues machen sollte. Neuer Sound, neue Arrangements und andere Herangehensweisen, und mit eben dieser Idee trat ich dann an Syderyth heran. Und ja, so kam es zu noch einem Projekt mehr, haha…
Syderyth: Ja, ich höre mir mein Zeug auch immer wieder gerne an. Es ist ja am wichtigsten, dass es einem selbst gefällt. Der Hörer ist bei mir eher zweitrangig. Ich bin auch mein schärfster Kritiker… Und was die Bands oder Projekte betrifft: Es sind einfach zu viele Ideen für nur eine Band. Auf meinen Kram bezogen, wäre eine einzige Band mit einer Althochdeutsch-, Bergbau-, Meeres-, Weltall-, Heidentum- und Hass-Thematik doch sehr seltsam. Vieles kann oder sollte man einfach nicht mischen. Unrast könnte man es tatsächlich nennen. Ich bin niemand der gerne ruht – tot ist man früh genug. Aber ich bevorzuge es, dies eher als den natürlichen Drang eines kreativen Musikers zu bezeichnen. Es sind einfach viele Ideen da, die umgesetzt werden wollen.
Bei Dauþuz verarbeitet Ihr ausschließlich Geschichten aus und um den Bergbau. Wieso gerade diese sehr spezielle Thematik? Was ist so faszinierend daran Eurer Ansicht nach? Oder sind womöglich Eure familiären Wurzeln auf irgendeine Art und Weise eng mit dem Bergbau verbunden?
Syderyth: Mir ist die Thematik schon lange im Kopf herumgegangen, gerade weil ich mich beruflich und privat viel mit Geschichtlichem befasse. Ich habe auch eine kleine Ortsgeschichte verfasst, in der der Bergbau ein größeres Thema war, und das hat mich sozusagen angefüttert. In meinem Ort gibt es viele verborgene Spuren dieses alten Bergbaus, die meisten sind nur noch mit geübtem Auge zu entdecken, oft erst auf den zweiten oder gar dritten Blick. Das hat mich fasziniert, als ich durchs Unterholz stöberte und ständig immer weitere Spuren entdeckte. Durch originale Akten, Karten und andere Überlieferungen der vergangenen Jahrhunderte habe ich mich dann in das Leben und die Begrifflichkeiten der damaligen Bergleute eingearbeitet. Dabei ist meine Gedankenwelt die dieser Texte, nicht die der großen Kohlebergwerke im Pott. Hier in meiner Ecke war das alles sehr klein und primitiv. Bis ins 19. Jahrhundert arbeitete man hier nur in Gruben mit ca. 2-10 Bergleuten, unter sehr einfachen Bedingungen, wie zu vormaligen Zeiten. Darum wurde der Bergbau hier auch am Ende des 19. Jahrhunderts von den moderneren, größeren Bergwerken überrollt und ging ein. Für mich war schnell klar, dass diese Art von Bergbau und Black Metal perfekt harmonieren. Finsternis, Arbeit bis zur Erschöpfung, Krankheiten, Leid, Umweltverschmutzung bzw. -zerstörung, alte Sagen und verborgene Geheimnisse… Natürlich gab es auch viele positive Aspekte im Bergbau, aber diese werden textlich natürlich nicht behandelt. Black Metal ist ja keine Spaßmusik, wo man über schönes Wetter und Blumen trällert. Soweit mir bekannt ist, hat meine Familie nichts mit dem Bergbau zu tun. Ich bin ihm rein durch die Geschichte meiner Heimat verbunden und durch die Faszination des Verborgenen.
Aragonyth: Als Syderyth mit der Bergbau-Idee an mich herantrat, war ich auch zunächst überrascht, aber je mehr man darüber nachdenkt, desto finsterer und fieser wird das Thema, gerade wenn man den Bergbau aus dem Mittelalter nimmt. Nicht, dass der Bergbau danach ein Zuckerschlecken gewesen wäre! Wie auch bei Syderyth habe ich keine familiäre Bindung dazu, aber wohne als Westfale auch sehr nah am Ruhrpott, wo Bergbau auch heute noch mehr als allgegenwärtig ist, vor allem natürlich durch die zahlreichen Denkmäler, Besucherbergwerke, Museen etc. Eine gewisse Affinität und Faszination war also schon immer da.
Syderyth, Du erwähntest gerade positive Aspekte des Bergbaus. Gibt es die wirklich, abgesehen davon, dass die Verbrennung der Kohle den Menschen half die kalten Wintertage gut zu überstehen? Betrachtet Ihr persönlich den Bergbau eher negativ oder doch vielleicht positiv? Die Umweltzerstörung des jahrhundertelang stattgefundenen Kohleabbaus, gerade im Braunkohlebereich, ist doch nicht wegzudiskutieren…
Syderyth: Ich hatte das jetzt weniger auf die Folgen und Auswirkungen bezogen, sondern eher wieder auf die persönlichen positiven Aspekte, die der Bergmann aus seinem harten Beruf hatte. Das war natürlich in jedem Gebiet leicht unterschiedlich. Ein Bergmann war mitunter vom Militärdienst befreit, teilweise hatte er Jagd- und Fischrecht, freien oder zumindest einen bestimmten Holzeinschlag zum Heizen, im Zechenhaus durfte Alkohol ausgeschenkt werden (als Zubrot in schlechten Zeiten), er durfte Bier brauen und so weiter und so fort. Normale Bürger oder Bauern durften das alles nicht. Natürlich handelte es sich hierbei um einen Anreiz, der auch sicherlich nötig war, um diesen schweren Beruf überhaupt zu ergreifen. Denn er ist trotz allen Vorteilen sehr gefährlich und hatte das Leben nicht gerade verlängert, gerade in früheren Tagen. Auch wenn das heute von vielen „Bergbau-Freunden“ sehr übertrieben positiv romantisiert wird. Aber von der Kohle für die warmen Winter mal abgesehen, wäre ohne den Bergbau, ohne all den dort geförderten Rohstoffen, unsere heutige Gesellschaft nicht so geformt, wie sie es heute ist. Mal ein Gedankenspiel, ohne es gut zu heißen. Hätte man niemals Kohle gefördert, um die massiven Schäden dadurch zu vermeiden, dann würde es heute sicherlich keine Wälder mehr in Europa geben. Man hätte sie abgeholzt um zu heizen, so wie es z. B. auf Island geschehen ist. Nichts, was wir heute haben, wäre ohne den Bergbau möglich gewesen. Kein Auto, Handy, Computer, Strom, Schmuck, Eisenpflug – die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Alles hat ein Für und Wider. Doch der Bergbau in den Dimensionen der letzten Jahrhunderte hat natürlich massiv die Umwelt zerstört und verändert und tut dies weiterhin. Doch das tut die Menschheit in allen Bereichen. Das ist der allgemeinen Überbevölkerung und der menschlichen Gier/Dummheit geschuldet.
Wie seid Ihr überhaupt an solch aufschlussreiches Material aus dieser alten Zeit gekommen? Im Booklet von „In finstrer Teufe“ sind jede Menge alte Stiche vorhanden, die unter anderem auch auf den Shirts oder den Prints zu sehen sind. Dazu muss man doch auch intensive Recherchen führen und eine Menge Zeit investieren – vermute ich? Oder wie gelangt Ihr an derartiges Material?
Syderyth: Die meisten Holzschnitte stammen aus „De re metallica libri XII“ (bzw. „Vom Bergkwerck XII Bücher“) von Georgius Agricola (bzw. Georg Bauer) aus dem Jahre 1556. Das ist sozusagen das bedeutendste Buch über den alten Bergbau schlechthin. Darin wird fast allumfassend über den Stand des Bergbaus zu damaliger Zeit berichtet. In jenem Werk sind auch über 200 Holzschnitte zur besseren Erklärung aller behandelten Themen. Alle weiteren Bilder findet man in diversen anderen alten Büchern. Man muss eben nur danach suchen und doch einiges an Zeit investieren. Die Bildbearbeitung kommt dann auch noch hinzu, aber das ist ja bei jeder Band, die physische Tonträger veröffentlicht, nicht anders. Für diesen „Spaß“ ist zum Großteil Aragonyth zuständig, ich gebe nur ständig meinen Senf dazu und meckere. Wir machen lieber alles selbst, denn wie so oft ist es leider so, dass man verlassen ist, wenn man sich auf andere verlässt. Für „Die Grubenmähre“ fanden wir leider kein wirklich passendes Bild, das unserer Vorstellung entsprach. Darum haben wir einen befreundeten Künstler (rottencovers@web.de) beauftragt, ein Cover nach unseren Vorstellungen zu zeichnen. Er hatte auch mitunter schon die Cover für die Schattenthron-Releases gemacht. Wir versuchen, wenn es möglich ist, immer ein passendes Bild zu jedem Text zu finden. Auch wenn vieles stimmig ist, muss man trotz einer gewissen Auswahl Kompromisse eingehen.
Der Titel „Die Grubenmähre“ bezieht sich, wie man es auch schon dem stimmigen Cover-Artwork erkennen kann, auf die früher Untertage eingesetzten Pferde, welche die schweren Lasten unter extremsten Bedingungen nach oben befördern mussten. Verspürt Ihr Wut in Euren Bäuchen, wenn Ihr Euch vorstellt, welche Qualen die Pferde tagtäglich erleiden mussten, um den Menschen bei ihrer Arbeit zu helfen? Oder warum habt Ihr gerade die Grubenmähre sozusagen zum Zugpferd Eures zweiten Albums erwählt? Ich denke, niemand sonst hat jemals das Leid dieser armen Tiere besungen. Ihr seid bestimmt die ersten, die ihnen ein kleines Monument mit diesem Album setzt… Und dieser Gedanke gefällt uns!
Syderyth: Da denkt Ihr richtig. Es ist eine Art musikalisches Monument zum Gedenken an all das Leid dieser unzähligen, vergessenen und namenlosen Grubenpferde. Nachdem der Text verfasst war, kamen wir beide zu dem Entschluss, dass es ein guter Titel für ein Album ist. Die Verzweiflung und Melancholie passen sehr gut zur gesamten Scheibe; schließlich zieht sich der Text über zwei Lieder und ist somit auch schon dominant auf diesem Album. Ich achte bei einem Titel für ein Album auch stets darauf, etwas zu verwenden, das nicht schon verwendet wurde.
Da mir Tiere tatsächlich meist mehr bedeuten als Menschen, macht mich das natürlich nicht gerade glücklich. Es ist eher eine bösartige Traurigkeit, die mich befällt, nicht die pure Wut. Es zeigt mir eben nur wieder einmal sehr deutlich, dass der Mensch nur auf Profit aus ist, ohne jede Rücksicht auf nichts und niemanden. Da ich viele Jahre selbst geritten bin, weiß ich, dass Pferde die Freiheit lieben, und deshalb kann ich mir gut vorstellen, was diese armen Tiere dort unten durchgemacht haben. Es sind Fluchttiere, die bei Gefahr und Angst davonlaufen, dies ist dort unten nicht möglich. Der „Lebensraum“ Untertage könnte nicht unnatürlicher für Pferde sein. Wenn man sich damit näher beschäftigt, ist es einfach nur grausam. Jeder Mensch konnte mehr oder weniger selbst entscheiden, dort unten zu arbeiten, die Tiere jedoch nicht. Wenn ein Pferd Glück hatte, bekam es einen tierliebenden Führer; wenn nicht, kann sich das jeder selbst ausmalen. Früher wurden auch Hunde eingesetzt, um Lasten zu schleppen, was viele nicht wissen. Und wieder typisch Mensch, wenn das Tier ausgedient hatte und nicht mehr die Leistung erbrachte, die man von ihm verlangte, hat man es entsorgt wie eine Maschine… Oder eher noch schlimmer, es zum Abdecker gebracht und geschlachtet. Für mich zeigt sich dabei wieder, dass der Wert eines Menschen daran ersichtlich ist, wie er mit den Tieren umgeht.
In Euren Songs „besingt“ Ihr hauptsächlich die Situationen oder die Empfindungen, wie es Untertage zugeht. Gibt es denn auch irgendwelche Sagen oder Mythen aus dieser Zeit, z. B. von Kobolden oder Zwergen, die unter der Erde leben und ihre Edelsteine verteidigen? Das hängt doch auch irgendwie mit dieser Thematik zusammen, oder?
Syderyth: Auf alle Fälle hängt das mit dem Bergbau zusammen. Diese angesprochenen Sagen und Mythen entstanden nur durch die Arbeit Untertage. Es gibt unendlich viele Sagen, die mit dem Bergbau zusammenhängen. Sie sind zum Teil tausende Jahre alt, wie der Bergbau selbst. Nicht umsonst treten in vielen Mythologien Zwerge auf, welche nach Edelsteinen schürfen und geschickte Schmiede sind. Sie sind das Spiegelbild des im geheimen arbeitenden Bergmannes. Selbst diese hässlichen deutschen Gartenzwerge sind nichts anderes als Zerrbilder der Bergleute. Bisher haben wir diese Sagen und Mythen in den Texten meist nur angeschnitten, doch das ändert sich schon mit diesem Album. Das Lied „Drachensee“ beruht z. B. auf einer sehr alten, vielfach auftretenden alpenländischen Sage, die von uns zusammengefasst und neu interpretiert wurde. Da wir auch schon an der nächsten Veröffentlichung arbeiten, kann ich an der Stelle schon verraten, dass der nächste Albumtitel etwas mit einer Zwergensage zu tun haben wird.
Zu dem Song „Dem Berg entrissen“ habt Ihr ein sehr interessantes Video zusammengeschustert, in dem unter anderem zu sehen ist, wie Ihr durch die engen unterirdischen Bergbau-Tunnel gewandert seid. Habt Ihr für solch ein nicht gerade ungefährliches Unterfangen eine offizielle Erlaubnis gebraucht? Oder habt Ihr die Tunnel auf eigene Gefahr betreten? War Euch dabei nicht mulmig zumute?
Aragonyth: Die im Video ausschnittsweise zu sehende Befahrung sehr alter Bergwerke war eigentlich eine sehr glückliche Fügung. Jemand, dem unsere Musik offenbar nicht unbekannt ist, trat an uns heran und bot uns die Möglichkeit, mehrere alte Gruben irgendwo in Deutschland zu sichten und zu befahren. Er selbst arbeitet dort regelmäßig, wältigt alte, verschüttete Bereiche wieder auf etc. Diese fantastische Chance wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so nahmen wir das Angebot wahr. Schnell kam uns natürlich die Idee, das Ganze zu filmen und teilweise in einem Video zu zeigen, also schnallte sich Syderyth eine Kamera an den Helm, haha… Anhand einiger vorab gesichteten Fotos war uns auch schnell klar, dass die Befahrung kein „normaler“ 08/15-Besuch in einem Bergwerk werden würde; Fahrstühle (Fahrkunst) oder „Treppen“ in dem Sinne, wie man es vielleicht aus dem Ruhrgebiet oder anderen Besucherbergwerken kennt, waren dementsprechend Fehlanzeige. Natürlich haftet man beim Betritt eines solchen Bergwerks selbst, Rettungswege oder Ähnliches sind ja quasi nicht existent. Ein mulmiges Gefühl hatte man auf alle Fälle, aber die Erfahrung, die Inspiration und das Verständnis, das man aus einer solchen „primitiven“ Befahrung ziehen kann, das ist unbezahlbar, und man möchte es nicht mehr missen. Wer mal mehrere Stunden in dieser nass-kalten, engen und „finstren Teufe“ war, der kann das sicher bestätigen. Wir haben Bereiche gesehen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, waren auf gut 32 Lachter (ca. 64 Meter) Teufe usw. Sehr einprägsam und allemal eine Erfahrung wert!
Syderyth: Ja, eine einmalige Erfahrung, die ich sicherlich wiederholen werde, da wir nicht ganz unten waren. Und das Gute daran war, es gab auch kein elektrisches Licht, es ist dort alles so wie früher. Wenn dein Licht erlischt… Totale Finsternis! Nur dass die Fahrten (Leitern) nicht mehr aus Holz waren wie damals, sondern aus Metall. Erst einmal hat man schon ein komisches Gefühl, wenn man an den Fahrten hinabklettert und weiß, es geht da über 100 Meter nach unten. Aber man sieht es ja durch das fehlende Licht nicht und gewöhnt sich schnell daran. Die abschnittsweise Enge empfand ich eher als kuschlig. Die Faszination überwiegt hierbei einfach alle Bedenken. Und was wäre das für ein Schicksal: „Bergbau-Black-Metal-Band Dauþuz in einem alten Bergwerk verschwunden“. Haha! Mal sehen, was wir aus dem übrigen Filmmaterial noch so zusammenstellen können. Die Eindrücke hieraus sind, wie Aragonyth schon sagte, genial und unbezahlbar. Dafür sind wir wirklich dankbar! Es ist auch eine grandiose Leistung der Bergbau-Enthusiasten dort, das alles wieder frei zu räumen und befahrbar zu machen. Der Hammer!
Befürchtet Ihr nicht, dass Euch irgendwann die Ideen zu dieser relativ eingegrenzten Thematik ausgehen könnten? Werdet Ihr auch einen Song über die Kanarienvögel, die vielen Bergleuten das Leben für den Preis des eigenen gerettet haben, verfassen? Diesen Vögeln wurde zumindest bereits ein Bier gewidmet, das „Bubi Helles“. Müsste eigentlich Euer Lieblingsbier sein, hehe…
Syderyth: Also ich denke nicht, das wir für alle Zeiten nur Lieder über das gleiche Thema machen werden. Bis das jedoch eventuell geschieht, fließt noch viel Wasser durch den Berg. Schließlich hatte Aragonyth die Thematik noch gar nicht im Blick, als er das erste Album schrieb. Er hat auch nicht schlecht geschaut, als ich ihm die Bergbau-Thematik angetragen habe, wie oben schon erwähnt. Der Bergbau ist so mannigfaltig, dass es noch hunderte Dinge gibt, über die man schreiben könnte. Sagen, Schicksale, Unglücke, Geschichtliches, Arbeitsabläufe, Mineralien und und und… Zu späterer Zeit könnten wir sogar auch einmal über den moderneren Bergbau schreiben. Ich halte z. B. diesen üblichen Satanismus-Kram im Black Metal für viel eingeschränkter.
Aragonyth: Dem stimme ich zu, und das Thema Satanismus & Co. wird auch seit nunmehr zig Jahrzehnten (nicht nur im Black Metal) ausgehöhlt und wiedergekäut. Damit lockt man doch keinen mehr hinterm Ofen hervor. Dann lieber etwas ebenso finsteres, aber weniger ausgelutschtes. Stichtwort Bier, das Dortmunder Bergmann-Bier ist sehr bekömmlich, speziell das Pils. Sehr „ehrlicher“ Geschmack, wie die Arbeit damals eben. Es gibt in Dortmund auch einen sehr kultigen Bergmann-Kiosk, sollte man als Bierliebhaber mal aufsuchen!
Syderyth: Oder das „Glückauf Bock“ aus Sachsen, ist auch sehr bekömmlich herb (und aus der gleichen Brauerei wie das „Bubi Helles“).
Haha, ja das Bergmann-Bier ist uns auf jeden Fall ein Begriff. Falls Ihr Euch erinnern könnt, hatten wir parallel zu der Vorstellung Eures ersten Albums auch eine Bierempfehlung zum „Bergmann Schwarz“ gepostet. Aber weiter im Text: Syderyth, kürzlich hast Du Dich, sagen wir mal „etwas angepisst“ gefühlt, dass so wenige Metalheads den Underground supporten, was zur Folge hatte, dass Du einige Deiner Projekte eingestampft hast. Begonnen hatte es, soviel wir wissen, mit dem Split-Up von Wintarnaht. Was genau ist passiert? Ist das mit ein Grund, wieso der Wechsel zu Naturmacht Productions für Dauþuz stattgefunden hat? Was erhofft Ihr Euch von der Zusammenarbeit mit dem Label?
Syderyth: Da habt Ihr was falsch verstanden (Anm. von Adam: Nur Chris!), Wintarnaht ist nicht aufgelöst; lediglich der Drummer musste gehen, weil wir nicht mehr auf einer Linie lagen. Ich habe dann entschieden, die Band alleine fortzuführen, so wie ich sie damals alleine gegründet hatte. Dass ich bei anderen Projekten ausgestiegen bin, hatte auch meist den Grund, dass die dortigen Mitmusiker ein Arbeitstempo an den Tag legen, das für mich zu langsam ist. Sowas nervt mich einfach. Jahrelang an einem Album oder einer Demo-Aufnahme herumzuwerkeln ist nicht mein Ding. Zudem befand sich musikalisch und menschlich manches im Argen. Da muss man konsequent sein und bestimmte Dinge einfach endgültig abschließen. Dass ich über den Underground und die fehlende Unterstützung angepisst war, das ist richtig; ich bin es immer noch. Es ist ein großes Problem, dass selbst dort die Musik nicht mehr die Wertschätzung erfährt, die ihr gebührt. Für die meisten Leute ist es nur noch Kurtzweyl (Anm. d. Red.: altertümlich für Kurzweil). Das ist in der Pop- und Allgemeinmusik ja normal, aber im Metal-Bereich und gerade im Underground ist das wirklich erbärmlich, ein Niedergang. Auch die Tatsache, dass immer mehr Download-Müll gefordert wird, anstatt dass eine echte CD, LP oder Kassette gekauft wird, um den Künstler damit anständig zu unterstützen. Schrecklich… Artwork, Texte und die Verpackung (Hülle, Digi…) gehören zum Gesamtbild und das ist nicht für 6,66€ zu haben. Dieser allgemeine Geiz der Hörer nervt mich gewaltig. Jammern, weil eine CD um die 10€ kostet oder (Underground)Konzerte 10-20€. Aber vorher bei irgendeiner Drecksbude für 15€ Müll fressen. Oder im Suff am Abend 50 Kröten in sich reinballern… Das ist in Ordnung? Wenn Musiker für Underground-Konzerte ihrer Band meist drauflegen müssen und nicht mal genügend Spritgeld drin ist, während man großen Bands das Geld in den Rachen wirft, dann läuft da eben einiges falsch. Dazu sage ich einfach: FOAD! Darum geht meine Lust live zu spielen auch tendenziös gegen Null. Dabei bin ich eher jemand, der gerne live spielt, aber das Drumherum ist nur noch zum Kotzen. Es sind noch tausend weitere Dinge, die mir nicht gefallen, aber lassen wir das…
Aragonyth: Leidiges Thema, in der Tat, da könnte man sich seitenweise drüber auskotzen… Der Labelwechsel hatte damit aber nichts zu tun. Das war einfach der logische nächste Schritt, da wir bereits beide wussten, dass Robert mit Naturmacht Productions fantastische Arbeit leistet. Irgendwann kam dann der Kontakt zustande und man war direkt auf einer Wellenlänge was Arbeitsweisen, Arbeitstempo und Ziele angeht. Es war also keine schwere Entscheidung uns Naturmacht Productions anzuschließen, und bisher könnten wir nicht zufriedener sein. Wir spüren größtes Vertrauen, was gerade bei einer noch sehr jungen Band wie uns nicht selbstverständlich ist.
Wir wissen zwar, dass die folgende Frage nicht sonderlich herausfordernd ist und Ihr grad schon zu verstehen gegeben habt, dass die Tendenz gegen Null geht, aber dennoch möchten wir sie Euch stellen: Plant Ihr mit „In finstrer Teufe“ und „Die Grubenmähre“ in kleineren Locations in der nächsten Zukunft zu touren? Aufgrund Eures passenden Erscheinungsbildes zum Thema Bergbau könnten wir uns vorstellen, dass eine Bergbau-Metal-Show ziemlich aufregend ausschauen könnte!
Aragonyth: Tja, das leidige Thema live zu spielen, das mich schon seit Jahren mit meinen Bands begleitet… Mangels vernünftiger Probemöglichkeit müssen wir leider (bis auf Weiteres) davon absehen, live-tauglich zu sein. Zumal erst noch mindestens drei weitere Musiker (zweite Gitarre, Schlagzeug, Bass) angelernt werden müssten, da ich auf dem Album ja alles selbst mache, bis auf den Gesang und die Akustikgitarren versteht sich. Es schwirren natürlich viele spannende Ideen in unseren Hirnen herum, da man, wie Ihr schon anreißt, eine wirklich große Auswahl an Stilmitteln hat, um das Thema auch visuell auf der Bühne entsprechend umsetzen zu können. Aber die Zeit wird es zeigen…
Aragonyth! Syderyth! Wir bedanken uns sehr für dieses äußerst interessante Gespräch und wünschen Euch viel Erfolg auf Euren weiteren unterirdischen Pfaden! Falls wir irgendwann in der Zukunft doch wieder ein Waldhalla-Konzert veranstalten sollten, werden wir versuchen Euch dafür zu ziehen, haha… Diese Musik muss nämlich auf die Bühne!
Aragonyth: Wir danken Euch ebenso für das sehr tiefgreifende Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit Eurem Magazin! Gerade gute, kleine Print-Magazine sind selten geworden und entsprechend zu unterstützen. Zum Thema Live-Präsenz habe ich ja oben schon ein paar Worte verloren, aber man sollte niemals nie sagen. Habt Dank! [ab & ch]